"Wir werden weiter in großes und herausragendes Fernsehen investieren."


Andreas Bartl, Vorstand German Free TV

Herr Bartl, Sie sind seit vier Wochen Konzernvorstand bei Pro Sieben Sat 1. Wie groß war die Umstellung?

Ich fühle mich noch wie Andreas Bartl - nur mit weniger Zeit. Inhaltlich ist die Umstellung nicht so groß, für den Bereich German Free TV bin ich ja schon seit Mai verantwortlich. Natürlich landen jetzt Themen einer ganz anderen Dimension als bisher auf meinem Schreibtisch. Darauf muss man sich einstellen. Aber grundsätzlich freue ich mich über neue Herausforderungen und habe das in der Vergangenheit auch immer gut hinbekommen. Im Übrigen empfinde ich die Berufung in den Vorstand natürlich als große Ehre.

In der Presse und in der Branche wurde Ihr Aufstieg sehr freundlich kommentiert. Spüren Sie den Druck, plötzlich als großer Hoffnungsträger im Konzern zu gelten?

Ach, ich nehme das positiv und hoffe, dass die Leute mich nicht überschätzen (lacht). Im Ernst: Ich spüre keinen übermäßigen Druck. Ich habe mit kabel eins einen kleinen Sender geleitet, danach mit ProSieben einen großen und bin jetzt für die gesamte deutsche Senderfamilie verantwortlich. Den Vorstandsposten empfinde ich als logischen nächsten Schritt. Ich fühle mich sehr gut auf meine Aufgabe vorbereitet.

Die Rahmenbedingungen sind allerdings alles andere als ideal: Der Konzern hat einen neuen Finanzvorstand, sucht händeringend einen Nachfolger für Peter Christmann und der CEO geht zum Jahresende. Das klingt sehr nach Führungschaos.

Es gibt kein Führungschaos. Der Vorstand ist voll funktionsfähig und hat alle strategischen und operativen Themen im Griff. Wir erleben gerade eine Phase des Umbruchs. Das muss ja nicht schlecht sein. Und was den vakanten Vorstandsposten für Marketing betrifft: Gehen Sie davon aus, dass wir noch diesen Sommer einen Nachfolger für Peter Christmann präsentieren werden.

Müssen Sie angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage nicht wie ein strenger Sparkommissar agieren?

Wenn das so wäre, hätte ich nicht die Rechte für die Champions League und den Uefa-Cup gekauft. Das ist das größte Fußball-Paket in der Sendergeschichte. Guillaume de Posch und ich haben bei diesem Deal die absolute Unterstützung unserer Gesellschafter erfahren. Die Ansage ist unmissverständlich: Wir werden weiter in großes und herausragendes Fernsehen investieren. Wir werden alle Projekte, die unsere Sender voranbringen, auch machen. Dass wir dabei auf die Kosten achten, ist kein Widerspruch, sondern eine Selbstverständlichkeit.

Sie haben zwischen Vorstand und den einzelnen Senderchefs mit drei Content-Managern eine neue Hierarchiestufe eingeführt. Wie sieht die Aufgabenteilung genau aus?

Ich sehe in der Koordinierung unserer einzelnen Sender eine meiner wichtigsten Aufgaben. Wir folgen dem Best-Practice-Gedanken, um noch stärker voneinander profitieren zu können. In der Vergangenheit waren wir stark horizontal aufgestellt, mit den Content-Managern kommt eine vertikale Ebene dazu. Solche Matrixstrukturen sind bei modernen Unternehmen wie Google sehr erfolgreich. Wir haben uns das genau angeschaut und davon inspirieren lassen.

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