Die neue Struktur klingt plausibel, birgt aber Sprengstoff. Sowohl Sie als auch zwei der drei mächtigen Content-Manager kommen von ProSieben - das ist doch eine ziemliche Demütigung für Sat.1.

Ich habe genau die Leute bekommen, die ich haben wollte und die ich für die besten halte. Ich bin überzeugt, dass alle drei bei allen Sendern sehr akzeptiert sind. Mir geht es darum, in einer modern arbeitenden Organisation die gesamte deutsche Sendergruppe voranzubringen. Was unsere Fußball-Nationalelf nicht geschafft hat, wollen wir jetzt erreichen: Europameister werden, Europameister des Fernsehens. Einer unserer Vorteile gegenüber der RTL-Gruppe besteht darin, dass wir zwei große Sender in der ersten Liga haben. Das ist ein enormes Asset, sowohl in der Produktion als auch in der Vermarktung.

Und deshalb darf Sat.1 auch nicht an Premiere verkauft werden?

Sat.1 wird nicht verkauft. Das macht überhaupt keinen Sinn. Ich kann schon verstehen, dass Herrn Börnicke diese Vorstellung reizt und Premiere Schlagzeilen brauchte - das hat ja auch bestens funktioniert. Unruhe hat er bei uns damit aber nicht ausgelöst.

Wie interpretieren Sie Ihre eigene Rolle: Sind Sie eher der moderierende Vorstand, der Ziele vorgibt, oder mischen Sie sich auch operativ ein?

Ich war sieben Jahre selbst Senderchef, das kann ich natürlich nicht abstreifen. Ich werde also beides tun, koordinieren und das Gesamtbild im Auge haben, mich aber auch um das operative Geschäft kümmern. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man als Senderchef eine gewisse Eigenständigkeit braucht. Ich will starke Senderchefs - und die habe ich.

Neben vielen negativen Schlagzeilen gab es zuletzt ja auch Positives über Ihr Unternehmen zu lesen. Sat.1 scheint die Krise überwunden zu haben.

Sat.1 hat seine Krise beendet und ist der Sieger des ersten Halbjahrs 2008. Wir haben neue erfolgversprechende Formate wie die Telenovela „Anna und die Liebe“ im Programm und werden weiter angreifen. Was bei Sat.1 möglich ist, haben wir damals bei „Verliebt in Berlin“ mit einem Marktanteil von bis zu 30 Prozent gesehen. So ein Erfolgsformat kann einen ganzen Sender zum Fliegen bringen. Welches Potenzial Sat.1 hat, zeigt eindrucksvoll die Vergangenheit: Sat.1 war oft Trendsetter für großes Fernsehen. Nehmen Sie Harald Schmidt, nehmen Sie die Fußballshow „ran“, Eventfernsehen wie „Das Wunder von Lengede“ oder Serien wie „Bergdoktor“ oder „Anna Maria“. Sat.1 ist ein Riese - und der ist gerade wieder aufgestanden.

Früher war Sat.1 der Trendsetter, zuletzt aber setzte ProSieben mit Formaten wie „Schlag den Raab“ oder „Germany‘s next Topmodel“ die Benchmarks.

Wir leben in einem sehr zyklischen Geschäft. Als ich bei ProSieben angefangen habe, gab niemand mehr einen Pfifferling auf den Sender. Von Sat.1 waren dagegen alle begeistert, „Schillerstraße“, „Genial daneben“ oder „Verliebt in Berlin“ galten als state of the art. Heute hat ProSieben diese Rolle, auch wenn RTL insgesamt noch stärker ist. Aber, bei allem Respekt vor den Kölner Kollegen: Innovationsführer im deutschen Free TV ist momentan ProSieben.

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